Gymondo Magazin

Was bringt Heilfasten? Mein Selbstversuch

Den Körper entlasten, das Verdauungssystem reinigen, Verzicht üben und realisieren, dass man ohne feste Nahrung über einen gewissen Zeitraum „überleben“ kann. Fasten – was früher selbstverständlich und natürlich war, wird in der heutigen Zeit des Nahrungsmittelüberflusses durch die bewusste Entscheidung für eine Fastenkur erreicht. Heilfasten ist nichts Neues, doch es erlebt in den letzten Jahren einen neuen Aufschwung. Wer gesund ist, kann bedenkenlos mehrere Tage auf feste Nahrung verzichten. Was uns häufig im Weg steht ist der Kopf, der bei der Vorstellung des Nahrungsverzichts erst mal auf die Barrikaden geht.

Genau deshalb wollte ich das Ganze mal ausprobieren und berichte dir nun von meinen persönlichen Erfahrungen und Resultaten.

Fastensuppe in weißer Schale
Beim Heilfasten gibt es nur noch flüssige Nahrung

Ich habe mich für das klassische Heilfasten nach Buchinger entschieden was ich für mich individuell angepasst habe (gesamte Fastenperiode: 9 Tage)

  • Vorbereitung, Einkauf etc. (bestenfalls musst Du während der Fastenzeit nichts mehr besorgen, spart Willenskraft und Nerven)
  • 2 Entlastungstage: frisches und gedünstetes Gemüse und Obst, frische Kräuter, kein tierisches Protein, bei mir gab es noch Reis
  • Vorbereitung der Fastenbrühe
  • Entleerung des Darms: Abführen am Abend des 2. Entlastungstages
  • 1. – 5. Fastentag: mittags wechselnde Obst/Gemüsesäfte, abends selbstgemachte Gemüsebrühe mit frischen Kräutern
  • Fastenbrechen mit einem selbstgemachten Bratapfel aus dem Ofen 🙂 (Highlight der Fastenwoche!)
  • 2 Aufbautage: langsamer Kostaufbau, sehr bewusstes Essen, leicht verdauliches wie Kartoffeln, gekochte Karotten, Joghurt, Leinsamen, bei mir gab es auch Frisches Gemüse und Obst
Viel Gemüse an den Entlastungstagen

Für mich persönlich stand neben der Erfahrung, die Entlastung meines Körpers im Vordergrund. Das Bedürfnis, nach dem langen kalten Winter dem Körper die Chance zu geben sein eigenes Reinigungsprogramm anzuwerfen und ordentlich durchzuputzen. Da ich mich auch viel mit dem Thema Darm und Mikrobiota beschäftigt habe, schien es mir eine absolut sinnvolle Entscheidung zu sein mal ein paar Tage auf feste Nahrung zu verzichten und diese Vermutung hat sich bestätigt.

Spannend fand ich es außerdem die Fastenwoche in den Alltag zu integrieren. Ich habe mich für einen Zeitraum entschieden, in dem mir die Umsetzung realistisch schien. Ich startete an einem Freitag in die richtige Fastenphase, so dass ich mir die ersten 3 Tage viel Ruhe gönnen konnte. Ich kann Dir nur empfehlen Deine Fastenzeit ebenfalls so zu planen, dass Du vor allem in den ersten Tagen Zeit für Dich, deinen Körper und deine Bedürfnisse hast. Dann ist eine Fastenwoche auch durchaus in den Alltag zu integrieren.

Da ich bereits einmal Erfahrungen mit Heilfasten gemacht habe und damals mit einem sehr niedrigen Blutdruck und starken „Kaffeeentzugskopfschmerzen“ zu kämpfen hatte, beschloss ich das Fasten für mich so zu modifizieren, dass ich am Morgen eine milde Tasse schwarzen Kaffee trinke. Einige werden jetzt mit Sicherheit den Kopf schütteln, aber für mich war es in meiner Situation die richtige Entscheidung, denn dadurch war ich leistungsfähig, mein Kreislauf blieb stabil und die Stimmung oben 😉. Andernfalls hätte ich mich wohlmöglich komplett gegen das Fasten entschieden, weshalb mir dieser Kompromiss die bessere Möglichkeit bat. Zusätzlich habe ich in dieser Zeit Chlorella eingenommen, eine Alge die den Ausleitungsprozess unterstützt und besonders nährstoffreich ist (u.a. viel Vitamin B12, was eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt). Auch Heilerde (Kapseln zur Einnahme) und Basenbäder waren Bestandteil meiner Fastenzeit.

Meine Erfahrungen und Resultate:

Verschiedene Produkte zum Heilfasten stehen auf dem Küchentisch
Vorbereitung ist alles

Einkaufsliste schreiben und los geht’s?! Die Planung und Vorbereitung nimmt mehr Zeit in Anspruch als ich erwartet hätte. Nachdem aber alles einmal besorgt ist, habe ich wenigstens die restlichen Tage Ruhe vor Einkaufszentren und Essensentscheidungen. Die Entlastungstage verlaufen problemlos und ich merke, dass diese Phase für mich besonders wichtig ist, um mich psychisch schon mal auf den kompletten Nahrungsverzicht einzustellen. Ihr müsst dazu wissen, dass ich es liebe zu Essen und mich sonst auch (nicht nur durch meinen Job als Nutritionist) viel mit dem Thema Ernährung und Essen beschäftige. Nichts zu essen ist immer wieder eine sehr fremde Vorstellung für mich 😉.

Abführen (z. B. mit Glaubersalz) und Einläufe zählen mit Sicherheit nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, helfen aber ungemein über die gesamte Fastenzeit. Die Entleerung des Darms bildet die Basis um sich während des Fastens gut zu fühlen und verhindern ein aufkommendes Hungergefühl. Also Augen zu und durch. Natürlich hat mich auch mein Gewichtsverlauf interessiert, also alles schön dokumentieren.

Erster Fastentag: Durch die Klarheit, dass es für die nächsten Tage nichts zu essen geben wird, hat sich mein Kopf anscheinend darauf eingestellt. Hunger? Fehlanzeige! Davon bin ich selbst überrascht. Ich kann konzentriert meiner Arbeit nachgehen, mir ist lediglich ein bisschen kalt und habe das Bedürfnis mich in eine ruhige Ecke zu verziehen. Erst am frühen Abend kommt ein leichtes Grummeln im Magen auf – nach dem Verzehr meiner selbstgekochten Gemüsebrühe (die eigentlich nicht nach viel schmeckt aber die ich trotzdem sehr schätze, weil ich sie selbst gekocht habe) ist das aber schnell vorbei.

Eine Glasflasche mit frischem Ingwerwasser und Zitronenscheiben
Viel trinken hilft den Stoffwechsel anzuregen

Ich fahre weiterhin jeden Tag Fahrrad im Berliner Verkehrschaos, fühl mich aber ein wenig in meiner eigenen Blubberblase. Ich gönne mir mehr Schlaf und Zeit um Yoga zu machen und den Blick nach innen zu wenden. Der Kaffee hilft mir morgens in Schwung zu kommen, ich fühle mich super, die Laune ist gut und ich habe das Gefühl die Sache „im Griff“ zu haben. Am Wochenende mache ich ausgiebige Spaziergänge und probiere, mich viel draußen in der Natur aufzuhalten.

Gemüsesuppe in weißer Schale
Abends eine Gemüsesuppe

Am 4. Fastentag gibt es vor der Arbeit ein leichtes Krafttraining, was erstaunlich gut funktioniert. Bewegung ist generell täglicher Bestandteil meiner Fastenwoche. Schließlich will ich keine Muskeln abbauen und meinen Stoffwechsel und Kreislauf in Schwung halten. Verausgaben solltest du dich in dieser Zeit nicht, aber ein leichtes Training oder ausgiebige Spaziergänge sind sehr empfehlenswert.

An mehreren Tagen mache ich die Erfahrung am Abend noch extrem fit und wach zu sein. Ich setze mich noch mal an den Schreibtisch, bin fokussiert bis 11 Uhr abends und schaffe erstaunlich viel in dieser Woche. Eine Mischung aus mehr Zeit (durch das Wegfallen der Essenszubereitung) und einem Thema weniger, mit dem sich mein Kopf beschäftigen muss?!

Nach dem fünften Fastentag zeigt die Waage 3 kg weniger an. Ich fühl mich leicht und gut, freue mich aber auch schon wieder aufs Essen. Ich schreibe mir auf, auf welche Lebensmittel und Speisen ich Lust habe und interessanterweise steht da nichts von Eis, Schoki oder Pizza, sondern vielmehr Frisches, Salat mit roter Bete und Ziegenkäse, Obstsalat mit Nüssen. Ok Milchreis mit Zimt und Apfel-Mango Mark steht auch drauf 😀

Bratapfel auf Teller
So lecker kann ein Bratapfel sein

Das Fastenbrechen ist eine wahre Geschmacksexplosion für den Gaumen. Ein halber Apfel im Ofen gebacken, gefüllt mit gerösteten Mandeln in etwas Honig und ganz viel Zimt. Ich genieße jeden Bissen und probiere so bewusst wie möglich zu essen, was gar nicht so einfach ist nach einer Woche Essensabstinenz.

Die Aufbautage schaffe ich nicht 100 % so einzuhalten wie ich es mir vorgenommen habe. Auch wenn mir bewusst ist, dass dies die wichtigste Phase des Fastens ist, da dies die Basis für die nachfolgende Ernährung ist und der Bauch besonders sensibel ist. Da ich mich aber grundsätzlich sowieso schon gesund ernähre, bleibt alles im Rahmen 🙂. Ich fühle mich wohl und von innen „geputzt“ meine Verdauung kommt wieder in Schwung und ich schätze jede einzelne Mahlzeit wert.

Mein persönliches Fazit:

Eine Fastenwoche kann der perfekten Einstieg in eine Ernährungsumstellung sein. Die Geschmacksnerven werden extrem sensibilisiert, der Magen-Darm-Trakt wird von jeglichen Altlasten befreit und die Selbstwirksamkeit gestärkt. Nahrung liefert Energie, jedoch lohnt es sich, die Erfahrung zu machen, dass man auch ohne Nahrung leistungsfähig, konzentriert und lebensfähig ist. Es ist ein tolles Gefühl zu merken, wie sich der Darm förmlich regeneriert, wenn wir ihn nicht ständig mit essen beschäftigen.

Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass Fasten unzählige gesundheitsförderliche Effekt auf den Körper hat. Eine jährliche Fastenkur hilft ebenso auf Dauer das Gewicht zu regulieren (auch wenn das nicht das primäre Ziel des Fastens sein sollte).

Von den 3 kg kommt bei mir nach dem Fasten nur ca. 1 kg zurück. Ein praktischer Nebeneffekt 🙂. Viel wichtiger ist mir jedoch das Gefühl des Durchhaltens. Eine bewusste Entscheidung zu treffen und dies dann durchzuziehen.

Also ein ganz klares: Go for it!*

(*Hinweis: Unter bestimmten Umständen und Krankheiten sollte auf keinen Fall gefastet werden, bitte informiere dich vorher ausführlich!)

Eine im Alltag sehr bewährte Form des Fastens ist das Intervallfasten. In meinem Artikel findest du eine Übersicht, welche Formen des Intervallfastens es gibt und wie es dich dabei unterstützen kann, dein Gewicht langfristig zu regulieren und deinen Körper gesund und fit zu halten.

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Judith Huesmann

Judith ist Ernährungsexpertin bei GYMONDO.
In ihrem Studium Sport und Ernährung hat sie ihre beiden Leidenschaften perfekt kombiniert, um diese auf undogmatische Art und Weise weiterzugeben. Neben dem Interesse für gesunde Ernährung ist sie leidenschaftliche Akrobatin.

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