Gymondo Magazin

Ist Online Training gefährlicher als Training im Fitnessstudio? Interview mit Carolin Hobler

Training allein zu Hause ohne Trainer – ist das nicht gefährlicher als im Fitnessstudio? Ist die Verletzungsgefahr zu Hause nicht größer, weil mich niemand kontrolliert? Sport ohne echten Trainer ist für viele direkt mit der Angst verbunden, sich zu verletzen. Ist diese Befürchtung berechtigt oder unbegründet? Carolin Hobler, Head of Content bei Gymondo kennt beide Welten: Online Fitness und Offline Fitness. Seit über 10 Jahren gibt sie selbst Live Kurse und bildet deutschlandweit Kurstrainer für die verschiedensten Kursformate aus. Im Interview erklärt sie, warum Online Training nicht per se gefährlicher ist als betreutes Training im Kurs oder Fitnessstudio, worauf es bei einem sicheren Training ankommt, warum die Qualität der Betreuung durch Live Trainer überschätzt wird und eine Panikmache vor Online Training unangebracht ist. Here we go!

Online Fitness heißt Training im Web oder mit einer App, also vor dem Smart TV, auf dem Tablet, Smartphone oder dem Laptop. Was ist generell besser? Online Fitness oder Offline Fitness, also Training im Fitnessstudio?

Junge Frau auf roter Trainingsmatte testet Gymondo App
Online Fitness zum Beispiel mit Smartphone

„Weder noch. Man kann das ganz gut mit Online Shopping und Einkaufen im Laden vergleichen. Beides hat seine Vorteile und die wenigsten shoppen ausschließlich online oder offline, meistens ist es eine gute Mischung aus beidem.

Online Training ist flexibler, man trainiert wo, wann und was man will. Beim Training im Fitnessstudio muss man zu festen Zeiten vor Ort sein um einen Kurs oder ein Personaltraining zu machen oder sich das Training selbst zusammenstellen. Online oder Offline Training, nichts ist per se besser oder schlechter. Je nachdem welche Bedürfnisse man hat und welche Anforderungen man an das eigene Training stellt, passt das eine oder andere besser.“

Sind Live Kurse im Fitnessstudio grundsätzlich sicherer als virtuelle Kurse oder Online Training, weil ich dabei von Live Trainern kontrolliert werde?

Pilatestraining mit Anja Kursawe
Intensive Betreuung z.B. im Pilates Kurs

„Nein, sorry. Solche Pauschalaussagen machen keinen Sinn. Es kommt immer auf die Qualität des Workouts und des Trainers an, online oder offline. Live ist nicht aus Prinzip besser.

Seit über 10 Jahren bilde ich Kurstrainer aus, ich habe Hunderte von Fitnessstudios und Hunderte verschiedene Kurse und Kurstrainer gesehen… und ja, es gibt gute Live Kurse, mit super Inhalt und Top Kurstrainer – das ist aber nicht die Regel. In den meisten Live Kursen denkt sich der Trainer den Inhalt 5 Minuten vor Kursbeginn in der Umkleide aus, oder macht spontan was ihm gerade in den Kopf kommt und es wird wenig bis überhaupt nicht korrigiert. Der Großteil aller Live Kurse werden von oberflächlich bis gar nicht ausgebildeten Trainern mit Wochenendlizenzen geleitet. Das ist die Realität… und zwar unabhängig vom Preis der Mitgliedschaft und unabhängig von der Gruppengröße des Kurses.

Ein guter virtueller Kurs oder Online Kurs von einem Physiotherapeuten ist sicherer als ein schlechter Live Kurs von einem überarbeiteten Azubi oder Studenten im Discount Studio. Eine schlechte Korrektur oder ein falsch gesetzter Handgriff richtet eher Schaden an als dass er Nutzen bringt.“

Aber ist Training ohne Aufsicht und Kontrolle eines Trainers nicht gefährlich? Ist eine live Betreuung beim Training nicht generell zwingend notwendig?

Junge Frau mit weißem Trägertop joggt durch den Wald, lacht und hört Musik.
Sport geht auch ohne Trainerbetreuung

„Auch hier muss man differenzieren, bitte keine vorschnellen Behauptungen. Was Fakt ist: Das Hauptproblem unserer Gesellschaft ist nicht zu viel oder unsicheres Training, sondern Bewegungsmangel mit weitreichenden, negativen Folgen für die Gesundheit. Der Trend ist eindeutig: Wir bewegen uns immer weniger, werden immer dicker und bekommen immer mehr Probleme deswegen. Mit der zunehmenden Verzweiflung und dem schlechten Gewissen unserer Gesellschaft wird in der Fitnessbranche ordentlich Kasse gemacht. Ja, und nicht nur damit… auch mit ANGST vor Bewegung wird viel Geld verdient. Bewegung ohne Aufsicht und Kontrolle? Vorsicht – Verletzungsgefahr! Nur wer (die Betreuung) BEZAHLT ist sicher! Das ist ein Riesengeschäft, ein Wachstumsmarkt. Es lohnt sich auch hier genauer hinzusehen. Wer erzählt, dass Training ohne Trainer gefährlich ist? Richtig: Teure Personaltrainer. Wer erzählt, dass Training zu Hause (ohne Fitnessstudio) gefährlich ist? Richtig: Fitnessstudio Betreiber. Wer erzählt, dass nur Training an teuren Geräten sicher ist? Richtig: Gerätehersteller.

Regelmäßige Bewegung ist natürlich, gesund und wichtig. Der Körper ist einfach nicht gemacht für unser alltägliches Dauer-Rumsitzen. Bewegung ist Leben. Bewegung ist Freiheit. Bewegt Euch bitte! Und nein, man braucht dafür keinen Trainer neben sich, kein Fitnessstudio und keine Geräte. Das einzige, was man dafür braucht ist schon da: Der eigene Körper. Ich finde es falsch Menschen generell Angst vor Bewegung (ohne Aufsicht) zu machen. Training ohne Trainer ist nicht grundsätzlich gefährlich. Das Sicherheitsrisiko hängt vielmehr davon ab WAS du machst, nicht davon ob jemand daneben steht.“

Dann braucht man also im Grunde keine Live Trainer, kein Feedback, keine Korrektur?

Patricio Escher mit einer Jungen Frau leitet eine Bauchübung an im Präventionsprogramm
Ein gutes Personaltraining ist Gold wert

„Nein, so ist das nicht gemeint. Ein gutes Live Feedback, also eine sinnvolle Korrektur ist Gold wert. Ein fundiertes, personalisiertes Coaching kann das ganze Leben verändern, das wird und muss es immer geben. Ich empfehle jedem, der es sich leisten kann sich regelmäßig ein richtig gutes Personaltraining zu gönnen. Aber: Es geht auch ohne. Kein Personaltrainer ist kein Grund nicht zu trainieren! Eine nicht perfekte Bewegung ist besser als gar keine und eine mittelmäßiges Workout immerhin besser als keins.

Live Hilfe durch einen guten Trainer ja, wenn diese verfügbar ist und sich lohnt. Unbedingt! Aber bitte nicht live aus Prinzip und um jeden Preis. Bekommst du in deinem Live Kurs wirklich ein wirkungsvolles, individuelles Feedback zu deiner Ausführung? Dann super! Wenn live mit Qualitäts-Feedback nicht verfügbar ist, entscheide dich lieber für ein effektives Workout mit Top Trainer online oder virtuell.“

Wann wird Training denn nun gefährlich? Wo lauern die Gefahren online und offline?

„Was du beim Training machst und wie du es machst ist entscheidender für die Sicherheit als der Fakt, dass jemand zuguckt. Fangen wir mal VOR dem eigentlichen Training an: Wer gesund ist, ausgeruht ist und ein an sein Fitness Level angepasstes Training auf dem Plan hat – online oder offline – hat optimale Voraussetzungen für ein sicheres Training. Gefährlich wird es zum Einen, wenn man sich überfordert, übermüdet oder unkonzentriert beim Training ist.

Mann auf Feldweg Knöchel verletzt.
Verletzungen gilt es immer zu vermeiden

Zum Anderen bei gesundheitlichen Einschränkungen oder Krankheiten. Ein Problem der Fitnessbranche ist, dass leider oft keine klare Trennlinie gezogen wird zwischen Training für Kranke und für Gesunde und das wäre zwingend notwendig. Kurstrainer mit Wochenendlizenzen fragen vor dem Kurs in die Gruppe: „Hat jemand gesundheitliche Einschränkungen?“ Und suggerieren damit, dass sie in der Lage wären auf solche einzugehen. Sie sind es absolut nicht. So eine Selbstüberschätzung ist gefährlich. Nur der behandelnde Arzt oder Physiotherapeut kann das. Gesundheitliche Probleme sollten VOR dem Start des Trainings  – online oder offline – mit dem Arzt oder Physiotherapeuten besprochen werden. Dasselbe gilt für Schwangere. Gibt der Arzt „grünes Licht“? Dann go! Physiotherapeuten und Ärzte sind ausgebildet und qualifiziert Kranke zu trainieren, Fitnesstrainer trainieren gesunde Menschen. Wenn diese Grenze eingehalten wird, reduziert sich das Gefahrenpotenzial beim Sport erheblich.“

Was macht Training offline und online möglichst sicher? Wie sorgt ihr bei Gymondo für Sicherheit beim Training ohne live vor Ort zu sein?

„Natürliche Bewegungen und funktionales Training mit dem eigenen Körpergewicht sind am sichersten und nicht gefährlicher als jede andere Bewegung im Alltag auch. Bei Gymondo machen wir z.B. keine waghalsige Zirkusartistik mit verrückten Geräten, sondern Grundlagentraining: Bewegungsmuster, die im Alltag gebraucht werden und Übungen für eine gute Haltung, die den typischen muskulären Dysbalancen entgegenwirken. Auf 4 Ebenen schaffen wir bei Gymondo die Grundlage für ein möglichst sicheres Training zu Hause:

Frau bei der Ausführung der Yoga-Übung Cobra
Yoga geht auch mit Gymondo

1. Eigengewichts-Training Die Workouts sind zu über 80% die sicherste aller Trainingsarten: Bodyweight Training, also natürliche Bewegungen ohne Maschinen oder Geräte nur mit dem eigenen Körper.

2. Auswahl der Übungen Für jede Übung wird der Nutzen gegen das mögliche Sicherheitsrisiko abgewogen. Nur Übungen, die den größtmöglichen Nutzen bieten, und gleichzeitig ein minimales Sicherheitsrisiko darstellen, werden in den Workouts verwendet.

3. Anpassung an das Fitness-Level Ein sicheres Training ist weder eine Unter-, noch Überforderung für den Körper. Bei Gymondo gibt es einen Fitnesstest und dann 3 Level zur Auswahl. Im Workout werden zusätzlich verschiedene Schwierigkeitsstufen jeder Übung gezeigt.

4. Auswahl der Trainer Unsere Trainer sind auf dem jeweiligen Gebiet Experten und demonstrieren das, was sie coachen selbst vorbildlich. Als Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten und Personaltrainer haben sie die Expertise, Erfahrung und Routine, um effektiv zu coachen.

That´s it.“

Hast Du noch einen persönlichen Tipp für mehr Sicherheit beim Training?

„Ja. Abgesehen von den genannten Punkten spielt das richtige Mindset bei der Sicherheit des Trainings eine wichtige Rolle: Achtsamkeit und Konzentration statt Ablenkung, ein positives Körpergefühl statt Selbsthass, ein klarer Fokus auf sich selbst statt neidvolle Blicke zu anderen, Teamspirit statt ungesunder Competition, Selbstliebe statt Kampf gegen den eigenen Körper. Und zu guter Letzt: Aufmerksamkeit den Signalen des Körpers gegenüber statt blindem Folgen von Anweisungen von außen.

Ballerina an der Stange mit optimaler Haltung
Ballett ist schön, aber kein Gesundheitstraining

Ich selbst trainiere seit ich mit dem Ballett aufgehört habe und nur noch Fitness-Training mache komplett verletzungsfrei. Seit über 10 Jahren. Ich hatte Zeiten mit über 20 festen Kursen pro Woche – hochintensive Kurse… oder zu Produktionszeiten Drehtage mit 10 Workouts pro Tag und habe mich nie verletzt. Damals als Teenager im Ballett war das anders. Da habe ich Bewegungen gemacht, die zwar schön anzusehen waren, aber nicht unbedingt natürlich und gesund. Die stundenlangen Proben haben mich so überfordert, dass ich mir unkonzentriert und ermüdet wie ich war, verschiedene Verletzungen zugezogen habe, z.B. zwei gebrochene Mittelfußknochen und einen Bänderriss mit Kapselsprengung im Knie. Diese Zeiten sind vorbei, ich habe meine Einstellung zum Training geändert und passe besser auf mich auf. Genau das wünsche ich mir auch für alle Leserinnen und Lesern. In diesem Sinne: Viel Spaß und Erfolg bei einem sicheren und gesunden Online und Offline Training. Passt auf Euch auf und nicht vergessen: Immer in Bewegung bleiben!“

Danke für das Interview, Caro!

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Carolin Hobler
Carolin Hobler

Carolin Hobler ist Head of Content bei Gymondo, lizensierte Trainerin, Yogalehrerin, Ernährungsberaterin und Referentin für Fitnesstrainer Ausbildungen. Besuche ihre Homepage oder folge ihr auf Instagram.

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